Der erste Plan, der nicht aufgeht

Horizong

Ich war der Meinung, dass eine Schwangerschaft der Ausweg ist. Also habe ich im November 2014 die hormonelle Verhütung eingestellt und gewartet. Eine Freundin empfahl mir Mönchspfeffer, damit der Zyklus sich wieder einpendelt. Das hat zu Beginn sehr gut funktioniert, so dass ich der Meinung war mein Körper benötigt keine Hilfe. Ich setzte das Mittel ab.

Mein Körper reagierte direkt. Ich bekam kleine Pickelchen im Gesicht und auf dem Rücken. Ich wurde unzufrieden. Mein Zyklus setzte aus.

Nach einigen Wochen, in denen jeder Schwangerschaftstest mir ein dickes NEGATIV entgegenbrüllte, ging ich zu meiner Frauenärztin. Sie vermutete direkt PCOS (eine Hormonstörung, bei der zuviel Testostron vorhanden ist) und machte einen Ultraschall. Der schien die Diagnose zu bestätigen, sie wollte aber noch einen Bluttest machen, um die Hormonwerte zu bestimmen. Nach einer Woche hatte ich das Ergebnis: ich habe PCOS.

Ich recherchierte im Internet. Frauen ohne Kinderwunsch nehmen einfach weiter die Pille, damit ist das „Problem“ erledigt. Frauen mit Kinderwunsch unterziehen sich einer Hormontherapie, mit all ihren Folgen. Wo stand ich?

Ich bin nicht so wahnsinnig, dass ich mich weiter mit Hormonen vollstopfen lasse (das habe ich die letzten 14 Jahre mit der Pille schon gemacht). Spritzen und der ganze Wahnsinn um verpflanzte Eier und Spermien ist nicht mein Fall. Da mach ich nicht mit.

Es gibt einen kleinen Strohhalm: homöopatische Ansätze, die bei einigen Frauen helfen. Teemischungen, auch der von mir bereits genutzte Mönchspfeffer wird genannt. Wundermittel sind das aber nicht.

Ich besinne mich darauf, warum ich die Verhütung abgesetzt habe. Mein Treiber war nicht der Wunsch nach einem Kind. Mein Treiber ist eine Veränderung in meinem Leben. Ist das fair? Ein Kind zu bekommen, damit sich bei mir etwas ändert? Wohl kaum!

Meine Überlegungen gingen also weiter. Ich war fast eine Woche lang beschäftigt, mich mit mir, meinen Plänen, meinen Wünschen und meiner Zukunft auseinander zu setzten.

Am Schluss stehen die radikalen Ergebnisse:

  1. Ich kümmer mich jetzt erstmal um mich.
  2. Um das zu tun zu können, muss ich meinen Fokus mehr auf mich richten, und nicht auf das was ich für andere, sprich für meinen Job tue.
  3. Fazit: Ich kündige.

Und das habe ich tatsächlich getan. Ich habe gestern meinen Job gekündigt. Ich habe eine dreimonatige Kündigungsfrist, bin also ab 1.10. offiziell arbeitslos.

Was dann? Ich habe viele Ideen. Ich habe so viel Lust auf etwas Neues!

Nichts wie ran!

 

Der Job ist nicht das Leben

WEg

Mein Leben war immer durchgeplant. Ich wusste genau, dass ich ein gutes Abitur machen werde. Dann war die schulische Weiterbildung mit einem Abschuss als Hotelmanagement-Assistentin geplant, die ich mit einem Auslandsaufenthalt in der Schweiz abschloss. Ich wusste, dass ich im Anschluss arbeiten wollte, stellte aber nach zwei Jahren fest, dass mir diese Arbeit nicht ausreichte und ging studieren. Auch hier legte ich einen sehr guten Abschluss hin. Mein Kopf malte mir immer wieder die Bilder, dass ich erst viel lernen und dann in einen guten Job finden würde. All das hat sich erfüllt. Ich habe einen tollen Job, in dem ich ausreichend viel Geld verdiene. Ich arbeite eng mit der Geschäftsführung zusammen und bin in die Strategieentwicklung eines Unternehmens eingebunden, dass das Leben von 500 Familien maßgeblich beeinflusst. Ich würde sagen: ich habe es geschafft. Ich habe Macht. Wenn ich auch nicht direkt entscheide: ich bin Lobbyist, mit Einfluss auf die Entscheidungsträger. Ich bin Anfang 30 und habe bereits bei Akquisitionen, Umstrukturierungen und Personalentscheidungen mitgewirkt. Ich sollte glücklich sein.

Bin ich aber nicht.

Alles, was mein Umfeld, die Werbung, die Gesellschaft mir vorgaukelt haben zu müssen, all das habe ich. Eine schicke Wohnung am Rand von Köln. Einen tollen Ehemann. Ein Auto. Ein Pferd. Einen ziemlich geilen Job. Ich könnte einem ZDF-Spielfilm entsprungen sein, wenn ich im kleinen Schwarzen mit High Heels durch die Innenstadt stöckel. Ich gehe in Szenelokalen essen. Ich habe in meiner Hotelvergangenheit bereits Stars und Sternchen getroffen. Ich bin der schöne Schein.

Das reicht mir nicht.

Mein Lebensfilm, meine Planung hörte mit dem „guten Job“ am Ende des Studiums auf. Ich wusste nicht, was dann passiert. Ich dachte an ein „Ende gut, alles gut“. Aber wie kann mit Anfang 30 jetzt das Ende sein? Irgendwas stimmt hier nicht.

In den letzten Jahren habe ich versucht, einen neuen Plan zu erstellen. Wieder sehr gesellschaftskonform habe ich meinen tollen Partner und besten Freund geheiratet. Die Form der Ehe ist mir nicht so wichtig. Hätte man mir gesagt, es ist ein Zeichen für lebenslangen Zusammenhalt wenn wir gemeinsam von der Zoobrücke in den Rhein springen, hätte ich das auch gemacht. Aber ein Ring am Finger ist da schon etwas schicker🙂.

Jetzt bin ich also verheiratet und habe ein Leben wie aus dem Fernsehen. Ich steh immer noch an der Stelle, wo ich unzufrieden bin. Da stimmt doch was nicht!

Der Plan wird also weitergestrickt. Der Job ist zwar toll und sicher und so ziemlich jeder Hochschulabsolvent würde sich danach die Finger lecken, aber ich habe keinen Spaß mehr daran. Ich habe lange für dieses Leben gebrannt, jetzt leuchte ich nicht einmal mehr. Also habe ich mir gedacht, ich krempel mein Leben um. Um dabei aber nicht durch das soziale Raster zu fallen, plane ich  meinen Ausstieg ganz entspannt: ich werde schwanger. Dann kann ich mich ganz gesellschaftskonform aus dem Arbeitsleben in meiner Firma rausschleichen und mich meinen Herzensprojekten widmen: dem Schreiben. Ja, der Plan sah oberflächlich betrachtet sehr perfekt aus.

Warum er das nicht ist lest ihr im Folgepost.

Ein Brief an meinen Papa: Hoffentlich habe ich dich nicht verloren

Enten

Du warst immer für mich da. In meiner Kindheit, in meiner Jugend. Du hast viel gearbeitet, um mir das Leben zu erleichtern, mir alles zu ermöglichen. Du hast dein Leben für uns gegeben, denn die Arbeit war nicht das, was du dir erträumt hast. Aber du hast es getan – für mich, für deine Familie.

Dann ist so viel passiert.

Die falschen Entscheidungen häuften sich. Du hast versucht, alles zusammen zu halten, und es damit noch verschlimmert. Es gibt Dinge im Leben, die kann ein Mensch allein nicht lösen. Du hast es trotzdem versucht. Uns zuliebe. Aber damit wurde das Vertrauen zerstört. Wäre unsere Familie zu retten gewesen, wenn du dein Wissen geteilt hättest? Oder ward ihr beide zu schwach für so eine Prüfung?

Schließlich warst du allein. Ich war ausgezogen, mein Bruder auch. Wir wurden erwachsen, kämpften mit unseren Erfahrungen und Wünschen. Wir haben uns gemeldet, aber du hast uns nicht gesehen. Du warst vergraben unter all den Themen, die dich langsam erdrücken.

Papa, ich bin da. Ich reiche dir gern meine Hand, wenn du sie willst.

Einmal hast du zugegriffen. Wir haben gesprochen, haben versucht zu sortieren. Aber ich konnte deine Hand nicht halten. Deine Erwartungen waren zu groß. Deine Wünsche von mir nicht zu erfüllen. Wie soll das gehen? Ich bin keine Jeannie, ich habe keine Wunderlampe. Auch wenn ich sie noch so gern für dich hätte.

Ein Wort ergab das andere. Jetzt habe ich Angst, mit dir zu sprechen. Ich will nicht, dass wir uns noch weiter voneinander entfernen. Aber geht das überhaupt? Wir waren so eng, jetzt sehen wir uns kaum noch. Weder im wahren Leben, noch in unseren Emotionen und Gedanken. Ich habe dich ausgesperrt und du mich. Du schimpfst, wir hätten dich verlassen. Aber das stimmt nicht. Ich möchte so gern bei dir sein, aber du lässt mich nicht. Du bist verloren in deinem Leid, deinem Kummer.

Habe ich dich verloren?

Ich starte einen weiteren Versuch. Ich werde dich holen, raus aus deinem Trott. Wovon wirst du gehalten? Deiner neuen Beziehung, die dich – aus meiner Sicht – mehr fesselt als stützt? Von deiner Arbeit, die dir keinen Mehrwert mehr gibt? Die du nie richtig geliebt hast? Von deinen Freunden – hast du wahre Freunde? Ich weiß es nicht. Du bist so weit weg…

Wirst du mit mir gehen, wenn ich zu dir komme? Auch das weiß ich nicht. Ich habe keine Ahnung, ob du die Fesseln loslassen kannst, ob du allein laufen kannst. Aber ich werde dich stützen. Ich werde dich halten, egal was vorher war. Ich werde dich holen. Damit du die schwarze Brille abnehmen kannst. Sieh das, was noch kommt. Sieh das, was wir waren. Sieh das, was wir sein werden.

Glücklich sein – eine Frage der Definition

Dünen

Mein erster Post ist der Grund, warum ich diesen Blog eröffnet habe. Ich habe bereits einen gut laufenden Blog, der durch meine Leidenschaft – die Pferde – gefüllt wird. Aber daneben bin ich noch so viel mehr!

Ich habe die spannende Altersgrenze „30“ überschritten. Das war nie etwas Besonderes, aber jetzt bemerke ich doch Veränderungen. Mein Kopf funktioniert anders. Die Prioritäten verschieben sich. Ich bin nicht mehr ich selbst.

Lebensplanung

Mein Leben lang dachte ich, dass ich einen vorgegebenen Weg gehen muss. Erst Abi, dann Ausbildung, später noch das Studium, dann in den Job. Und da endete meine Gedankenreise. Ich wusste nicht, was passiert, wenn man im Job angekommen ist. Jetzt weiß ich es: ich muss weitergehen. Ich habe 5 Jahre in meinem jetzigen Job als Assistentin in einem Finanzdienstleistungsunternehmen gearbeitet. Ich habe ein gutes Gehalt und mehr Arbeit, als ich an einem Tag schaffen kann. Meine Kollegen sind nett, mein Chef auch. Ich kann mir eine tolle Wohnung leisten, bin mit dem besten Mann der Welt verheiratet und habe zwei Haustiere, meine geliebte Stute Missouri und meinen allerliebsten Jack-Russel-Rüden Schröder. Von außen betrachtet ist mein Leben perfekt.

Aber…

Ich bin unglücklich.

Mein Job erdrückt mich.

Mein Hobby benötigt so viel Zeit, dass ich ständig denke, ich werde ihm nicht gerecht. Ich müsste noch so viel mehr tun, um endlich besser zu werden: in der Pferdeausbildung, beim Reiten, beim Unterrichten.

Mein Tag ist so voll, dass mein Mann sich wundert, wenn ich vor 20h zu Hause bin.

Meine Gesundheit ist angeschlagen. Ich kämpfe ständig mit irgendetwas, sei es eine Erkältung, Stimmbandentzündung, Schmerzen in den Schultern. Die Sitzhaltung im Büro lässt meine Schultermuskulatur blockieren. Anscheinend habe ich mir auch einen Nerv im Oberschenkel eingeklemmt, so dass ein Teil meines Beins leicht taub ist. Kein Arzt kann mir sagen, was genau das ist. Ich ignoriere es.

Ständig lese ich, wie andere Blogger ihre Inhalte aktualisieren, neue Texte verfassen und Marketing betreiben. Der Druck steigt, denn ich will schon lange ein Ebook schreiben, mein Design überarbeiten und den nächsten Artikel fertigstellen. Es ist ein Hobby, mit dem ich gern Geld verdienen möchte. Bisher hat es mich nur Geld gekostet.

(Blogger-) Burnout?

Sarah von verwandert hat vom Blogger-Burnout geschrieben. Dass ihr alles zuviel wird. Dass sie eigentlich nur weg will und neidisch sind auf die, die ausgestiegen sind. Ich kann sie so verstehen.

Seit Monaten bin ich überfordert, mein Job stresst nur noch und ich halse mir mehr und mehr Arbeit auf. Ich erzähle mir selbst, dass ich mit meinem Hobby Geld verdiene, damit ich aus meinem Job aussteigen kann. Die Realität ist aber, dass ich zwei Jobs parallel habe, zwei mal Belastung, keine Ruhepausen, ständiges Gehetze. Mein Hirn schaltet nicht mehr ab, ich bin im Dauermodus. Ich vergesse die Hälfte, sehe die schönen Dinge nicht mehr, ich setze mich sogar beim Reiten unter Druck. Obwohl ich mich dort eigentlich entspannen sollte.

Wir laufen hinter dem Geld her. Klar, die Wohnung, Essen, das Handy, der Laptop, der Internetzugang, alles muss finanziert werden. Ich fühle mich auf dem falschen Weg, aber ich kann nicht raus. Dann beneide ich Menschen, die alles hinter sich lassen und in die Welt ziehen. Aber mit Pferd, das geht ja nicht – also bemitleide ich mich und bleibe, wo ich bin und wie ich bin.

Wo liegt das Glück?

Mein Glück liegt darin, das zu tun was ich will. Zu Schreiben, mich selbst zu erfüllen. Mich mit Menschen zu umgeben, die so denken und leben wie ich. Mich auf mein Pferd zu schwingen und mit ihm eins zu werden. Nicht darüber nachdenken zu müssen, wie ich die nächste Tierarztrechnung bezahlen soll.

Als BWLer denke ich ständig in Effizienz: was bringt mir mein aktuelles Handeln? Wirkt sich das auf meinen Kontostand aus? Ich habe mehrere Konten: ein reales Finanzielles und ein Emotionales. Reiten und die Arbeit mit Suri buche ich als Plus auf mein emotionales Konto. Alles hat seinen Platz, seinen Sinn. Ich versuche, die Konten ausgeglichen zu halten, um mich gut zu fühlen. In Wirklichkeit verursache ich mir damit noch mehr Stress. Aber ich kann es nicht abschalten.

Gerne würde ich einfach meine Sachen packen und abhauen. So wie andere Blogger, die Weltreisen machen und darüber schreiben. Wie machen die das nur? Die meisten von ihnen finanzieren das privat, sparen so lange bis so eine Reise möglich ist. Hier und da gibt es mal einen sponsored post, so dass ein Mietwagen oder ein Hotelzimmer günstiger wird. Mehr aber auch nicht. Ich gebe mich dem Luftschloss hin, dass andere es einfacher und besser haben als ich. Ich kann ja auch nicht weg, weil ich meine Verpflichtungen habe – schließlich kann ich meinen Mann, Suri und Schröder nicht einfach allein lassen.

Selbst ist die Frau

Und da ist der Knackpunkt. Es bringt nichts, anderen nachzueifern oder uns zu erklären, warum wir unsere Träume nicht leben können!

Ich werde ewig in meinem stressigen Job bleiben, wenn es nach meinem finanziellen Konto geht.

Ich werde ständig von A nach B hetzen, wenn es nach meinem emotionalen Konto geht.

Ich brauche eine neue Lebensweise. Etwas, was mich finanziell beruhigt, mir aber mehr Raum zum Leben gibt. Ein Ort, an dem ich mich mit meinen Träumen beschäftigen kann, ohne dass ich ihnen nachhetzen muss.

Noch habe ich keine Ahnung, wo dieser Ort sein wird. Aber ich werde ihn suchen. Er liegt sicher nicht in Australien oder sonstwo am anderen Ende der Welt. Er wird da sein, wo die Menschen sind, die mir etwas bedeuten. Wo ich tun kann, was ich will.

Ich habe schon eine Idee. Die verrate ich aber noch nicht. Das wird ein Teil dieses Blogs, der den Weg zum Ziel erklärt.

Sarah habe ich eingeladen. Sie soll mit Egon zu mir wandern, entweder ins Sauerland oder nach Köln. Auf dem Weg wird sie viele Menschen treffen, die sie selbstlos aufnehmen, weil sie sie kennenlernen wollen. Mal sehen, ob sie darauf eingeht.

Wo darf ich hinkommen? Wer möchte mich kennen lernen? Meine Reise wird mich noch an Orte führen, von denen ich heute nichts weiß. Ich freue mich darauf.